Vor-, Nachbesprechung und Vorsätze im Rollenspiel

Seit mittlerweile geraumer Zeit praktizieren wir ein paar kleine Rituale, welche die Kommunikation stärken, das Verständnis schaffen und mitunter für alle Anwesenden sehr motivierend sein können. Dazu ein paar Gedanken:Die Praxis ansich kam aus einer Zeit, in der wir noch unter dem Spiel Regeldiskussionen abgehandelt haben – aber als damals die 3. Edition herauskam, war nicht mehr jeder so vertraut mit selbigen Regeln die uns lange Zeit begleitet hatten. Anfangs, wie das nunmal so ist hatten sich einige gesträubt und die Vorzüge des bestehenden Systems herausgestrichen, später dann waren die meisten Feuer und Flamme für das doch verbesserte System (so mein Empfinden dazu)…

Regeldiskussionen im Spiel sind eines der schlimmsten Dinge, die in meinen Augen passieren können. Von meiner Spielleiterposition aus damals konnte ich nur sagen: “Nein, das ist so.” Diskussionen dazu wurden dadurch auf später verschoben – und so hat es sich langsam entwickelt, dass wir alles was sich vor dem Spiel oder nach dem Spiel “out-game” besprechen lies gleich dorthin verschoben haben… …und es ist eine der förderlichsten Maßnahmen gewesen, die wir je gesetzt hatten.

Die Vorbesprechung: Zu Beginn des Spieles gibt es immer eine davon. Zu 90% handelt sie nur davon, dass die Spieler aus ihrer Sicht erzählen, was zuletzt passiert ist. Dieser Ritus hat sich als sehr wertvoll erwiesen, da man einen gemeinsamen Wissensstand in die Köpfe der Spieler ruft und kann insbesondere wenn man mal ein Monat Pause eingelegt hat – einer der essentiellsten Motivatoren vor einem Spiel darstellen. Generell ist es auch der Zeitpunkt um Unklarheiten in Regelfragen darzulegen, jeder darf antworten, diskutieren usw. es unterbricht dadurch kein Spielfluss und deswegen finde ich den Zeitpunkt sehr gut gewählt. Seit letzter Spielrunde haben wir an die Vorbesprechung noch ein paar Vorsätze angehängt.
Die Vorsätze: Gerade in den letzten Spielerunden wurde festgestellt, dass es ein paar Vorsätze geben könnte, Punkte an denen in-game gearbeitet werden sollte. Zum Beispiel, dass man den Abend über versucht (mehr) in-game zu sprechen. Bei uns lauten die Vorsätze (wieder einmal) wie folgt:

  • Bei Zaubern die Gestiken, Materialkomponenten und Worte explizit zu beschreiben. Ob ein einzelnen Wort gesprochen wird, Gestiken in die Luft gezeichnet werden oder Spinnenbeine die Hände und Füsse der zu Bezaubernden berühren macht eine Menge Flair aus, probiert es aus.
  • Der zweite aktuele Punkt ist auch ein Dauerrenner bei uns – während den Kämpfen aktiv die Tätigkeit, die Versuche und die Bewegungen des Charakters beschreiben. Dabei wird aus: Ich schlage mit meinem Schwert zu *würfel* Treffer! ein doch viel atmosphärischeres: Ich versuche mit dem Langschwert die Axtklinge meines Gegners weit auf die Aussenseite seines Körpers zu bringen und nutze dann *würfel* geschickt die daraus resultierende Öffnung in seiner Verteidigung um einen gezielten Streich auf seinen Torso zu führen… (den Rest der Beschreibung und das resultierende daraus übernimmt der Spielleiter)

Die Nachbesprechung: Der ursprüngliche Ritus der Vorbesprechung mit Nacherzählung ist im Vergleich zur Nachbesprechung sogar noch jung. Wir haben schon seit jeher versucht, die Gedanken aller (Spielleiter und Spieler) zu den Geschehnissen greifbar zu machen. Auch das ist mittlerweile kaum wegzudenken und liefert wahrscheinlich das interessanteste Feedback über das Spiel selbst für den Spielleiter und mitunter auch für einige Spieler. Es werden in den Nachbesprechungen diskutiert, was man in der Runde toll fand, ob die Atmosphäre dicht und nachvollziehbar war, ob die Motivationen der Charaktere noch stimmen, was man ändern möchte… Ob es gröbere Ungereimtheiten aus Sicht der Spieler oder des SLs gab.

Alles in allem kann ich nur jeder Spielrunde empfehlen genau diese Werkzeuge vor und nach dem Spiel einzubauen. Es steigert sehr die Spieltiefe und nimmt lästige Outgame Kommentare und Diskussionen während dem Spiel die Existenzberechtigung. Am besten ihr probiert es einfach aus!

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