Nach unserem zweiten, gemütlichen Seetag hat es uns an die erste Insel in Spanien (abseits unserer Ankunftsinsel) verschlagen. Wir lassen uns die Insel von Manfred zeigen, seines Zeichens einheimischer Reiseführer und mit tatkräftiger Unterstützung von unserem Busfahrer Valentin kurven wir durch eine Landschaft, die das Wort Abwechslung definiert haben könnte.

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Würde man die Aufnahmen in schwarz-weiss machen, kommt’s sehr nahe an eine Mondlandschaft mit gelegentlicher Wüste heran. Die dominierenden Farben sind schwarz, rot und ocker, einiges davon mit Flechten überzogen. Manfred stellt bei Abfahrt klar “Lanzarote hat keine Berge sondern Vulkane” – macht Sinn, die gesamten Kanaren haben das ja gemein. Juli und mein persönliches Highlight ist der Nationalpark Timanfaya, der seines Zeichens einen Teufel als Maskottchen hat. Gut, dass ich auch eines dabei habe. Die Location ist super erschlossen.IMG_20200109_120301

Im Park zeigt man uns eindrucksvoll, dass unter uns eine riesige Blase mit heißer Luft ist, die noch immer ausreicht, um den Sand so zu erhitzen, dass man die Lavasteinchen kaum anfassen kann. Ein paar Meter tiefer gegraben, ist die Hitze ausreichend, um etwas Agavenstroh innerhalb von wenigen Momenten zu entzünden. Und als Show zum Abschluss wird ein Liter Wasser in einen sprühenden Geysir verwandelt, so überraschend laut, dass wir beim kurzen Videodreh alles Verwackeln…

Leider konnte man im eigentlichen Montañas del Fuego nicht aus dem Bus raus. So abwechslungsreich farblich und von den Oberflächen – das hätten wir eigentlich gerne näher erlebt. Immerhin wissen wir jetzt den Unterschied von ?A??-Lava und P?hoehoe Lava. Erstere sind scharfe, große Brocken, die aufgrund hoher Viskosität beim Abkühlen aufgebrochen sind und auf denen man nicht gehen kann. Geprägt sind die Worte durch die Sprache der Hawaiianer. Pahoehoe Lava ist hingegend dünnflüssig gewesen (niedrigviskos) und hinterlässt ebene, angenehme Oberflächen beim Abkühlen. Der Vormittag endet nach einem Zwischenstop bei den Dromedaren dann bei einem verzichtbaren Mittagessen – gut wir haben so etwas ja schon auf unserer ersten Inselrundfahrt in England erlebt und die Qualität war durchwegs vergleichbar bzw. verzichtbar.

Wenigstens gibt es auch hier wieder tolle Gelegenheiten, sich Eindrücke vom Vulkangestein zu holen und der Nachmittag sollte uns noch eine andere Seite, die grüne Seite im Norden von Lanzarote zeigen. Ein kurzer Zwischenstop in einer Bodega lässt uns süßen und weniger süßen Wein kosten. Qualität definitiv besser als der Essig beim Mittagessen, noch nicht ganz überzeugend aber bei einem sprichwörtlichen Schluck, den wir uns teilen müssen. Wir wollen auch nicht viel Zeit auf den Wein ver(sch)wenden und sehen uns lieber die kreative Kultivierung an, welche uns bei einigen der abgebildeten Fotos zeigt, dass in den Kratern Reben sind, die bis zu 100kg Weintrauben tragen. Uff.

Der vorletzte Halt führt uns zum Aussichtspunkt Mirador de Haria, von wo wir den Norden in seiner Pracht erkunden dürfen, die Ortschaft Haria selbst sieht aus wie eine Hexe, die auf ihrem Besen reitet. Am Horizont begleitet uns das Meer als weiterer, farblicher Kontrast zu grün/rot/schwarz/ocker. Am Abend wäre es hier wohl noch etwas schöner, aber die Kulinarik hat uns gegen Mittag schon enttäuscht und wir haben noch einen letzten Programmpunkt auf unserer Tour vor uns.

Der Abschluss sollte noch ein Highlight werden: die Jameos del Agua sind ein natürlicher Tunnel, durch den vor vielen Jahren Lavaflüsse geflossen sind. In ihm sind Munidopsis polymorpha zu finden, kleine weiße blinde Krebse. Das eigentliche Schauspiel ist aber die künstlichere Gestaltung der Höhle, wir gehen einen schmalen Stufenabgang hinunter, um von einem riesigen Kaktus empfangen zu werden. Die Höhle ist bezaubernd und beidseitig sind die Stufenabgänge liebevoll in den Stein gearbeitet. Eine Theater-, Oper- und Konzertlocation auf der anderen Seite verspricht, dass ein zweiter Besuch sich hier jederzeit auszahlen könnte. Wir verlassen die Tour mit tollen Eindrücken der Landschaft und einer Vielzahl von weißen Häusern mit grünen oder braunen Fensterrahmen – typisch Lanzarote eben.

2 thoughts on “Kan/Mad: farbenfrohes Lanzarote”

  1. Echt tolle Berichte ???? … die Reise scheint abwechslungsreiche Eindrücke zu hinterlassen ????… ich meine die Landgänge lassen LEIDER immer nur Blitzeindrücke zu! ????

  2. Die Eindrücke sind wirklich toll finde ich und ja, so eine Reise lässt keinen vollumfänglichen Einblick in eine Kultur, Gegend oder gar Besonderheiten zu. Aber ich bin überzeugt, dass es um einen Eindruck der Kanaren + Madeira zu erhalten, ob es dort genug zu Entdecken gibt, quasi ein Schnupperurlaub in einer Region kaum etwas Besseres gibt.
    Auch die Mischung von selbst-geplanten Landgängen, Veranstalter-organisierten Landgängen und Seetagen ist einem guten Urlaubsgefühl sehr zuträglich. Zumindest meine Erfahrung ist, dass gute Reiseleiter vom Veranstalter zur Verfügung gestellt werden, die über den Tag sehr viel Information liefern. Und die Seetage sind auch ideal um sich auf die jeweilige Gegend noch besser einzustimmen.

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