Inspiriert von Franzey und Julian ein paar Gedanken zu Glück. (Und gleich auch noch einmal von Dan – ehrliche Lesensempfehlung und Sabrina und nochmals von Julian)

Das Glück is a Vogerl,
gar liab, aber scheu,
es lasst si schwer fangen,
aber fortg’flogn is glei.
Das Herz is der Käfig,
und schaust net dazua,
so hast du auf amal dann
ka Glück und ka Ruah.

Das alte Wienerlied beschreibt schon sehr gut was Glück ausmacht. Es gibt viele Zitate, Sprüche und selbst (oder gerade auch) die Philosophie beschäftigt sich sehr intensiv mit diesem. Von der Antike (Platon, Aristoteles) über das Mittelalter bis in die Moderne (Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietsche) war es immer ein Thema das zu Analysen und Überlegungen geführt hat. Kein Wunder, Glück ist meinem Verständnis nach mehr ein erstrebenswertes Ziel – ein vorgegebener Begriff als etwas Definierbares. Woher kommt es, dass man fast immer weiß wenn man glücklich ist, “Glück hat” aber nicht immer weiß wie man an Glück kommt?

Beginnen wir mit dem schwersten:

Was ist Glück?

Biochemisch

Man ist sich nach wie vor nicht einig, was Glück ist. Kein Wunder, was die Philosophen seit der Antike beschäftigt ist für die Biochemiker erst vor einigen Jahren aktuell geworden. Trotzdem hat man sogenannte Glückshormone definiert – ohne auf die Details einzugehen – das sind meine persönlichen Favoriten wenn es um Drogen geht. Im Gegensatz zu Alkohol und schlimmeren Dingen sind Ausschüttungen von den Glücksbotenstoffen sehr angenehm auch am nächsten Tag noch. Ein guter Aktivator ist mitunter etwas körperliche Betätigung, aber es fängt ja schon mit kleineren Dingen an. Ein paar Minuten in eine Fussreflexzonenmassage oder ein entspanntes Bad kann hier schon Wunder wirken. Trotzdem zurück zur Aufgabenstellung: Weder die Philosophie noch die Biochemie noch ein anderer wissenschaftlicher Zweig kann heute genau definieren was Glück ist.

Persönlich

Wenn es so nicht funktioniert, dann probieren wir es aus der eigenen Sichtweise. Was bedeutet Glück für mich? Ich orientiere mich daran, dass Glück etwas schwer Greifbares ist aber durchwegs etwas einfach Vermittelbares. Dazu kann man sich eines einfachen Experiments bedienen und die morgendlichen Kollegen (in Arbeit, Studium, im Kaffeehaus oder auch nur in den Verkehrsmitteln) anlächeln. Das mag etwas ungewohnt sein für den typischen Morgenmuffel, aber man gibt innerhalb eines ernstgemeinten Lächelns sehr schnell etwas weiter, dass man selbst für kaum greifbar hält. Das schönste daran ist, dass man ohne es wirklich verhindern zu können gleiches zurückbekommt. Ein paar freundliche Gesichter tragen dazu bei, dass wir uns wohler fühlen als zuvor. Für mich ist das schon ein kleines Glück. Jede Befriedigung die man weitergibt kommt in der einen oder anderen Weise zurück. Glück ist deswegen nicht besser definiert aber ein paar Rahmenbedingungen sind bekannt und damit ist man schon seines eigenen Glücks Schmied.

Für mich interessant sind Religionen, die Glück als Konzept verbieten. Ohne auf die Details näher einzugehen – es wird das Glück des Einzelnen mit dem Willen eines ( oder mehrerer) Gottes/Götter gleichgesetzt. Ehrlich? Das ist doch nicht wichtig, wie man Glück nennt – viel davon kommt von innen und ob man andere Zufälle als Gott gegeben oder Schicksal bezeichnet ist mir persönlich nicht so wichtig – jeder soll glauben woran er möchte – Hauptsache er respektiert die Ansichten der anderen.

Im Gegenzug dazu ist ein Unglück jedes Laster, dass uns am Weg begleitet. Eine Fehlentscheidung die man trifft die einen nachhaltig begleitet ist ebenso ein Unglück wie auch eine persönliche Tragödie wie der Verlust eines geliebten Menschens aus Freundeskreis oder Familie. Seit ich ein paar wichtigen Menschen in meiner Familie verloren habe kann ich das gut nachvollziehen. Was vor wenigen Jahren so weit weg schien ist heute ein täglicher Begleiter geworden in Momenten der Traurigkeit. Es ist ein gewisser Schatten der Angst, der mit zunehmendem Alter dünkler wird. Nicht aus der Angst heraus selbst nicht mehr zu sein, sondern geliebte Menschen – Begleiter aus der Kindheit und Jugend – Lebensgefährten zu verlieren. Anders herum ist es Glück das man erkennen sollte. Jeder Moment den man mit den Menschen verbringt die einem wichtig sind ist das wahrscheinlich größte Glück, dass man erfahren kann. Oft erkennt man das später, aber jede Erinnerung an Menschen die einen begleitet haben sind unvergängliches Glück das tief in uns schlummert und uns jeden Tag ein neues Lächeln schenken kann.

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