31 Tage RPG-Quest 15/31 Wie ist die Akzeptanz deiner Verwandtschaft / nicht-rollenspielenden Bekannten bezüglich Rollenspiel?

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Akzeptanz in meiner Umgebung war früher ein Thema. Wochenenden einfach so nicht mit der Familie zu verbringen war nicht unbedingt akzeptiert – und ehrlich gesagt – das war auch gut so. In meiner Jugend hab ich noch viele Prioritäten lernen müssen und ich lerne sie auch heute noch nahezu täglich. In den Jahren die sehr Rollenspiel-intensiv waren, konnte ich eine deutliche Veränderung in meinem Freundeskreis sehen – insbesondere als ich eine begrenzte Zeit LARP (Live Action Role Playing) ausprobiert habe – da war man entweder voll dabei, oder nicht dabei.

Heute ist es ein wenig ruhiger geworden, nachdem ich “nur” noch Pen & Paper Runden spiele hat das sicherlich auch einen gewissen Effekt auf meinen Freundeskreis, und bei Nichtspielern gibt es noch immer den gelegentlichen schrägen Blick, wenn ich einen “normalen” Termin fürs Rollenspiel absage – aber meine Umgebung hat sich an mich gewöhnt und ich mich an meine Umgebung. Mein besonderes Glück ist meine Frau, die selbst nicht spielt und mir dieses Hobby von Herzen gönnt. Ich denke ja: so hat sie regelmäßig Ruhe von mir – aber was auch immer es ist, es hält uns seit vielen Jahren fest zusammen.

31 Tage RPG-Quest 14/31 Was war dein erstes Rollenspielsystem?

G_31Tage

Mein erstes Rollenspielsystem war Advanced Dungeons & Dragons. Ich bin sowohl in Computerspielen (Curse of the Azure Bonds), wie auch im richtigen Leben. Das ganze hab ich in der mittlerweile geschlossenen Spielerei in Wien 1070 das erste Mal in Händen gehalten und mich mit nebenbei auch noch mit Monsterkompendium und Spielleiterhandbuch ausgestattet.

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Meine ersten Berührungspunkte waren erst etwas einfaltig, es ging darum die Regelwerke in allen Richtungen zu studieren, was in den Jahren 1992-1994 für mich eine Herausforderung darstellte. Soviel Informationen – aber es war eine unglaubliche Motivation, die auch später dazu beitrug, dass ich heute durchwegs gute Englischkenntnisse besitze. Für mich stellt AD&D (in den Editionen 2, 2 mit Erweiterungen, 3, 3.5 und Pathfinder) ein ausgesprochen spielbares Rollenspiel dar – es macht Spaß, deckt sehr viel von Classic Fantasy ab und ist liebevoll und nicht zu kleinkariert. Was man dabei wissen sollte ist, dass D&D im Gegensatz zu anderen Systemen sehr starke Helden zu späteren Spielzeitpunkten darstellt. (Quasi ist es der Held, der nach seinen 25 Abenteuern einfach von 100 Pfeilen getroffen wird und nichts abkriegt, oder von 100 Pfeilen einfach nicht zu treffen ist.) Das muss natürlich zum Spielstil der Gruppe passen und ist meiner Ansicht nach ein ziemlich heftiger Gegensatz zu beispielsweise DSA.

Klare Vorzüge des Systems sind neben seiner weiten Verbreitung die Eignung für starke Heldenepen mit großem Fokus auf die Charaktere. Vorteile sind insbesondere in den älteren Versionen leider etwas magierlastig, das hat sich meiner Meinung nach erst mit Pathfinder deutlich verbessert. Weiters gibt es unzählige (großartige) Spielwelten für D&D – ich beginne wie immer mit den Forgotten Realms, will aber auch Ravenloft, Planescape, Birthright, Dark Sun, Dragonlance und Ptolus erwähnen. Für mich sind das nahezu gleichwertige Welten – alle mit dem Versprechen viel zu erleben. Und für alle die gerne lesen – es gibt eine Vielzahl großartiger Autoren die sich mit dem Thema D&D beschäftigen… Ich denke es sind einige der berühmtesten Fantasy Autoren. (Hickman & Weis, R.A. Salvatore, Ed Greenwood, Paul S. Kemp, Troy Dening, Richard Baker, Elaine Cunningham, Mel Odom und viele andere).

31 Tage RPG-Quest 13/31 Hast Du jemals versucht ein eigenes Rollenspielsystem zu schreiben, und wie weit bist Du gekommen?

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Ja, aber das ist eine ziemlich lange Zeit her – und es war nicht nur ein System sondern es waren gleich mehrere. Eine typische Alltagsbeschäftigung für meine HTL-Zeit. Keine Empfehlung, alles andere als eine Empfehlung, dass man seine Schulzeit mit Rollenspielen verbringt, auch wenn ich zugeben muss, dass es mir wohl auch nicht merklich geschadet hat (aber ich hätte z.b. in organischer Chemie ein bisserl mehr mitnehmen können).

Warum gehe ich nicht näher auf die Entwicklung ein? Naja okay, ein bisserl näher ist sicherlich drin – meine Rollenspielsysteme waren von sehr vielen Seiten aufgezogen – neue Spielwelten, neue Würfelmechanismen und neue Interaktionsmöglichkeiten. Ich habe begonnen Rollenspiele (allerdings typische Spielbuchrollenspiele oder Soloabenteuer) auf meinen TI-81 Taschenrechner zu “programmieren” und später sehr viel auf Papier niederzuschreiben – vieles davon residiert noch immer im “noch nicht entsorgt” Regal hinter mir. Warum ich mir nicht die Mühe mache das wieder aufzuziehen? Weil ich der Meinung bin, dass das Spielsystem ausgesprochen unwichtig ist, solange sich die Komplexität im Rahmen hält. Ich kann mit Cyberpunk 2020, Shadowrun, Gurps und Fate das gleiche Spiel in unterschiedlichsten Systemen spielen – und im Endeffekt (bin ich wirklich und ehrlich überzeugt) läuft es einzig und alleine auf die Spieler am Tisch hinaus. Für die Art von Rollenspiel, die ich gerne am Wochenende zelebriere benötige ich nur ein Rahmensystem und nicht mehr – die Lethalität, die Mechanismen und die Gimmicks der einzelnen Systeme sind gut – und keines davon ist perfekt. Aber im Endeffekt läuft es in meinen Augen zu 99% auf Spielleiter und Spieler hinaus. Deswegen ist das System in meinen Augen deutlich weniger wichtig geworden.